Link verschicken   Drucken
 

Aktuelles vom Wochenmarkt

Mehr Regionales für Wochenmarkt

Quelle: Auszug der Märkischen Oderzeitung

Ulf Grieger / 16.05.2018, 22:00 Uhr - Aktualisiert 17.05.2018, 10:10
Red. Seelow,

 

Der Seelower Dienstagsmarkt atmet kleinstädtisches Fluidum. Seit der Marktumgestaltung ist er kompakter und gemütlicher geworden. Noch fehlen allerdings eine breite Palette an regionalen Angebote, eine Toilette und genug marktnahe Parkplätze. So das Ergebnis eines MOZ-Marktrundgangs.
 

 

Bild_

©  / Johann Müller  mehr Bilder auf MOZ.de

 

„Es ist gut so, wie es ist. Durch den Umzug des Marktes hat sich für mich kaum etwas verändert.“ Van Ngyen, seit 2002 Markthändler in Seelow, kommt kaum dazu, sich zu unterhalten. Mit seinen vielen „Tischen der 1000 kleinen Dinge“ hat er den größten Platzbedarf. Und ständig kommt jemand, der etwas sucht. Ngyen, der 1987 aus Vietnam in die DDR geschickt wurde, um dort am Fließband des Goldpunkt-Kombinats Schuhe zu fertigen, macht der Händlerjob offenkundig Spaß. Er gehört inzwischen ebenso dazu wie Martina Schielke, die nebenan Brote aus dem Holzbackofen der Lietzener Bäckerei von Thoralf Kirscht zeigt. „Die Seelower lieben unser gesamtes Sortiment“, freut sie sich. Und lobt das gute Klima untereinander, zwischen den Händlern und mit den Kunden. „Nur ein Toilettenhäuschen wäre noch schön“, sagte sie.

Die meisten Marktstandbetreiber nutzen die WC der Kreis- und Stadtverwaltung, von Gaststätten oder gutwilligen Anwohnern. Das bestätigt auch Roland Wittke aus Manschnow, der dienstags und donnertags seine Gulaschkanone für die Seelower anheizt. Seit 14 Jahren schon gehört er zu den Essensversorgern auf dem Markt. Dafür, dass die kulinarische Bandbreite groß ist, sorgt auch Daniel Borula am Fischauto der Frankfurter Traditionsfischerei Schwartze. Ob Heilbut, Makrele oder Backfisch: den Seelowern schmeckt es dort. Die Forellen allerdings, die er vor Ort räuchert, kommen nicht aus der Region. „Die sind aus Kolumbien“, verrät der Slubicer.

Direkt vom Oderdamm hingegen kommen die Pflanzen, die Enrico Höhne verkauft. Das Gemüse, das sein Hof in Drewitz-Ausbau produziert, kommt aber nicht nach Seelow.“ Es gibt zu wenig Kundschaft hier, schätzt der Landwirt ein. Sein Kollege Cornelius Ludwig aus Neulangsow sieht es ähnlich. Er gibt dem Marktumbau die Schuld dafür. Parkplätze fehlen, meint er.

Diese Sorgen haben die Brüder Dawid und Matteus Kicincki aus Küstrin/Kostrzyn offenbar nicht. Sie verkaufen frisches Gemüse, das sie seit dem frühen Morgen von den kleinen Bauernhöfen zwischen Kostrzyn und Poznan abgeholt haben.

Die Sorgen und Wünsche der Markthändler sind Seelows Bürgermeister Jörg Schröder, Bauhofleiterin Astrid Gellenthin und Stadtmarketing-Chefin Ilona Höhne recht gut bekannt.

Die Umsetzung der Idee, am Markt ein WC zu installieren, sei derzeit nicht aktuell. Eine Analyse habe ergeben, dass es rings herum neun öffentlich zugängliche Toiletten gibt. Das „Café Achteck“ von der Weinertstraße werde auf keinen Fall reaktiviert, so Astrid Gellenthin. Und auch im künftigen Citycenter werden keine öffentlichen Toiletten installiert.

Beim Parkplatzproblem gebe es einen Lichtblick. Die Stadt erarbeite ein Parkraumkonzept für die Innenstadt, so Schröder. Im Innenhof des Kaufhauses entstehen 27 Stellplätze, an der dann ehemaligen Sparkasse 50 Plätze und in der Gartenstraße sind jetzt schon 24 freie Stellflächen. Zudem will die Stadt den Parkplatz Kirchstraße kaufen. Dort werde das Parken aber kostenpflichtig sein. „Man muss aber auch ehrlich sein und wissen, dass viele möglichst direkt am Markt parken wollen.“

Die neue Regelung für die Taxi-Stellplätze am Markt würde gut funktionieren, wenn sich alle Autofahrer an die Regeln halten würden, erklärt Taxifahrer Siegfried Schmidt. Die Fahrgäste könnten dank der Umgestaltung gut ein- und aussteigen.

Die Kreisstadt bemühe sich aktiv, mehr regionale Anbieter für den Markt zu gewinnen, erläutert Jörg Schröder. Er habe persönlich bereits viele angesprochen. Mitarbeiter von Bauhof und Stadt schauen sich auch auf anderen Märkten um, um für Seelow zu werben. Hauptproblem seien für etliche Produzenten die Lohnkosten für die Standbetreuung. In dieser Frage sei man noch auf der Lösungssuche.

Information zu Standgebühren und Anmeldung über die Internetseite des Bauhofes www.bauhof-seelow.de oder unter Telefon 03346 845336.